Informationssammlung

Salzabwässer - ein vielschichtiges Problem

Bewertung:  / 0
SchwachSuper 

Am Standort Neuhof-Ellers bei Fulda sieht die Situation etwas anders aus. Dort fallen schon jetzt jährlich bis zu 700.000 Kubikmeter Salzabwasser an, allerdings zum überwiegenden Teil Haldenabwasser. Diese wurden bisher zum großen Teil im Plattendolomit verpresst.

Kalirückstandshalden

An den westdeutschen Standorten wurde eine Reduzierung von flüssigen Salzrückständen über das ESTA Verfahren (Elektro-Statische Aufbereitung) erreicht. Allerdings mit der Folge, dass erhebliche Mengen an festen Rückständen produziert wurden, die seit dem auf über 300 Millionen Tonnen (Hattorf, Heringen, Neuhof-Ellers) anwuchsen. Bis zum Ende des Kaliabbaus werden sich die Rückstandshalden noch verdoppeln. Durch Niederschläge entstehen im Jahr ca. eine Mio m3 Salzabwasser im Werra-Revier und 0,7 Mio m3 bei Fulda.

Das Versenken von Salzabwässern

Bisher wurde etwa eine Milliarde Kubikmeter im Untergrund versenkt. Bereits 1968 stoppten Thüringische Kaliwerke die Versenkung von Salzabwässern in den Plattendolomit, da die Trinkwasserbrunnen der näheren Umgebung Salzschäden aufwiesen. Ein ausreichendes Versenk­volumen bei Neuhof-Ellers wurde 2003 von K+S noch bis zum Ende des Kaliabbaus prog­nos­ti­ziert. Die Bezirksregierung hat durch Probebohrungen festgestellt, dass der verblie­bene, sehr geringe Versenkraum nur noch für wenige Jahre vorhanden ist. 2 Versenkboh­rungen mussten wegen einer lokalen Beeinflussung des Buntsandstein-Grundwasserleiters bereits abgeschaltet werden. Auch an der Werra deuten die hohen diffusen Belastungen mit Salzwasser darauf hin, dass die Versenkräume im Werra-Revier weitgehend erschöpft sind.

Bergschäden durch Hohlräume

Nach dem Ende der Kaliförderung müssen die sehr ausgedehnten Abbauhohlräume, Strecken und Schächte sicher verwahrt werden. Untertagehohlräume, insbesondere im Salzgebirge, unterliegen der Konvergenz und können nur durch Einbringung von Feststoffen (Bergversatz) verhindert, bzw. stabilisiert werden.

Grenzwerte am Pegel Gerstungen

Die Salzeinleitung wurde erstmals 1913 durch die Trinkwassergefährdung in Bremen auf 842,5 mg/l Chlorid am Pegel Gerstungen beschränkt. 1942 wurde der Grenzwert auf 2.500 mg/l Chlorid und 50° dH erhöht. Seit dem ist der Chlorid-Grenzwert beständig. Die Deutsche Gesamthärte wurde seit 1996 zudem noch schrittweise von 50 auf 90° dH erhöht. Dadurch wird es erst möglich, höhere Anteile an Magnesium und Calcium in die Gewässer zu leiten. Die Obergrenze für die Trinkwassergewinnung liegt bei 250mg/l Chlorid und 30 °dH.

Pipeline von Neuhof-Ellers an die Werra

Die Firma K+S plant, für die Entsorgung ihrer Haldenabwässer vom Standort Neuhoff-Ellers bei Fulda eine 63 km lange Pipeline nach Philippsthal zur Werra zu bauen. Die Salzlauge soll den genehmigten Grenzwert bei Gerstungen von 2.500 mg/l Chlorid auch im Hochwasserfall ausnutzen. Die Gesamtfracht der Salzeinleitung würde damit um 10 % zunehmen.

Auswirkungen der Versalzung

Anstrengungen der Vergangenheit

1992 wurde ein Verwaltungsabkommen über die Gewährung von Zuwendungen des Bundes und der Länder für Maßnahmen zur Reduzierung der Werra-Weser-Versalzung getroffen. Ziel dieses Konzeptes war eine Reduzierung der thüringischen Chlorideinleitungen auf 40 kg/s (entspricht den 2.500mg/l Chlorid am Pegel Gerstungen) ab dem Jahre 1995.

Im Rahmen des Bund-Länderabkommens wurden dem Unternehmen K+S Kali GmbH umgerechnet über 75 Millionen Euro für die Maßnahmen zur Verfügung gestellt. Seit 1998 wird am Pegel Gerstungen der Grenzwert durch die Schließung zweier thüringischer Werke und durch eine geregelte Einleitung über Stapelbecken reduziert und vergleichmäßigt.

Nicht auf halber Strecke stehen bleiben

Vor dem industriellen Abbau von Kali waren Weser und Werra fischreiche Gewässer. Der Fischertrag ging mit der Versalzung der Weser von 200 kg/ha in den zwanziger Jahren über 80 kg/ha in den sechziger Jahren auf 4-5 kg/ha Ende der 90er Jahre zurück. Neben der Beeinträchtigung von Lebensgemeinschaften in den Fließgewässern wirkt sich die Salzbelastung direkt oder indirekt negativ auf Trinkwassergewinnung, Landwirtschaft oder touristische Nutzung aus. Mit der Salzreduzierung und Vergleichmäßigung der letzten Jahre ist eine Erholung der Lebensgemeinschaften zu verzeichnen. Dennoch zählt die Werra bis heute trotz aller Verbesserungen der letzten Jahre noch zu den Gewässern mit der schlechtesten Güteklasse Europas.

Durch eine geplante dauerhafte Auslastung des Grenzwertes würden Verbesserungen und gemachte Anstrengungen nicht fortgeführt, sondern ist eine Gefährdung für die Werra-Auen zu befürchten.

Europäische Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG)

Die EG-WRRL schreibt den guten ökologischen Zustand für alle Gewässer vor. Der gute ökologische Zustand der Gewässer wird durch die biologischen Komponenten wie Gewässerflora, benthische wirbellose Fauna und Fischfauna bewertet.
Für den Parameter Chlorid gibt die Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) für den guten Zustand einen maximalen Chloridgehalt von 100 mg/l an. Ab 200 mg/l sind erste ökologische Beeinträchtigungen zu erwarten. Im Zuge der Umsetzung der EU-WRRL sind Grenzwerte, die 25fach höher liegen, nicht zielführend. Eine Reduzierung der Belastung sowohl der Gesamtfracht, als auch der einzelnen Komponenten (Kalium, Magnesium, Calzium) ist dringend geboten.

Fazit

Eine dauerhafte Einleitung von Salzabwasser in die Werra oder in den Untergrund (Verpressung) führt zu einer Schädigung der Lebensgemeinschaften in den Gewässern, belastet das Grundwasser und schränkt landwirtschaftliche, wasserwirtschaftliche und touristische Nutzung und Trinkwassergewinnung ein.
Eine Alternative zu der jetzigen Entsorgung in den Untergrund und zur Einleitung ist also zwingend erforderlich, sowohl im Fulda- als auch im Werraraum.

Zusätzliche Informationen